Ziegel ist nicht gleich Ziegel
Rund 99 Prozent aller Satteldächer in Deutschland sind mit Ziegeln oder Betondachsteinen eingedeckt – aber die Ziegelart entscheidet, welcher Dachhaken passt, wie hoch die Bruchquote bei der Montage ausfällt und ob sich ein Indach-System lohnt. Allgemeine Fragen zu Neigung, Ausrichtung und Ertrag behandeln wir im Ratgeber zum Satteldach. Auf dieser Seite geht es um das, was wirklich ziegelspezifisch ist: Ziegelarten, Altziegel, Ziegeltausch und Indach-Lösungen – mit Schwerpunkt auf Berliner Altbauten.
Ziegelarten im Überblick – und der passende Dachhaken
- Mönch und Nonne: Historische, halbrund gewölbte Tonziegel, die paarweise verlegt werden (konvexer „Mönch“ auf konkaver „Nonne“). Häufig bei Berliner Gründerzeit-Häusern, Kirchen und ländlichen Bauernhäusern. Erfordert Spezial-Dachhaken mit verbreiterter Auflagefläche oder Klemmkonstruktionen, die auf der Lattung verschraubt werden. Bruchquote deutlich erhöht – vorher immer mit Denkmalpflege abstimmen.
- Biberschwanz: Flacher, rechteckig-halbrund geformter Kleinziegel, 155 × 380 mm, meist in Doppel- oder Kronendeckung verlegt. Typisch für Altbauten und denkmalgeschützte Gebäude. Spezielle Biberschwanz-Dachhaken nötig. Alternative und oft optisch bessere Lösung: Indach-Systeme mit biberschwanzförmigen Solarmodulen.
- Frankfurter Pfanne: Der meistverbaute Dachziegel Deutschlands, eingeführt 1881. Rechteckiger Doppelmuldenfalz mit ca. 300 × 400 mm. Standard-Dachhaken aller großen Hersteller (K2, Schletter, SL Rack, Novotegra) funktionieren problemlos – die Frankfurter Pfanne ist der Referenz-Ziegel der PV-Branche.
- S-Pfanne / Doppel-S: Ähnlich Frankfurter Pfanne, aber mit ausgeprägter S-förmiger Wellung. Verlangt einen S-Pfannen-Dachhaken mit tieferem Kröpfwinkel, damit der darüberliegende Ziegel nicht aufgebockt wird.
- Falzziegel (Flach- oder Reformpfanne): Hochwertige, nahezu ebene Ziegel mit umlaufendem Mehrfachfalz. Durch die flache Oberfläche besonders Indach-freundlich – Module sitzen optisch beinahe bündig. Für Aufdach reichen Standard-Haken in flacher Kröpfung.
- Hohlpfanne: Die klassische rote Tonpfanne, oft in Norddeutschland und bei Berliner Vorkriegsbauten. Leicht S-förmig gewölbt, einfache Überdeckung. Standard-Haken mit leicht höherer Kröpfung reichen, der Ziegel muss an der Nase meist angeschliffen werden.
- Betondachsteine: Maßhaltiger und bruchfester als Ton, rund 45 bis 55 kg/m² (10 bis 20 % schwerer als Ton). Seit den 1950er Jahren Standard im preiswerten Einfamilienhausbau. Dachhaken wie bei der Frankfurter Pfanne, meist aber andere Dichtlippen wegen präziserer Kanten.

Altziegel-Problematik: Wann wird es teuer?
Ziegel halten technisch 60 bis 100 Jahre. In Berlin steht aber ein erheblicher Teil des Altbaubestands mit Original-Eindeckungen aus der Vor- oder Zwischenkriegszeit – teils über 100 Jahre alt. Ab 40 Jahren Alter steigt die Bruchquote beim Begehen und Dachhaken-Setzen spürbar. Erkennbar sind brüchige Ziegel an:
- dumpfem Klang beim leichten Anklopfen (intakt = hell und satt)
- Haarrissen rund um Falze, Nasen und Wasserlauf
- abplatzender Glasur oder „abmehlender“ Oberfläche
- tiefem Moos- und Flechtenbefall, der das Material erweicht
- Frostabplatzungen an den Unterkanten
Rechnen Sie bei Ziegeln über 60 Jahren realistisch mit 5 bis 15 % Bruchquote bei der PV-Montage. Bei Berliner Gründerzeit-Häusern mit Originaleindeckung wird deshalb oft empfohlen, Dachsanierung und Solaranlage in einem Zug auszuführen – das spart doppelte Gerüst- und Dachdecker-Kosten.
Ziegeltausch bei Beschädigung
Wenn ein Ziegel während der Montage bricht, muss er sofort ersetzt werden. Dabei gibt es zwei klassische Probleme:
- Reserveziegel organisieren: Vor Montagebeginn sollten mindestens 20 bis 30 Reserveziegel vom gleichen Typ bereitliegen. Bei historischen Eindeckungen (Mönch/Nonne, alte Biberschwänze) sind Originalziegel oft nur noch über Abbruch-Händler oder spezialisierte Ziegelbörsen zu bekommen.
- Patinaproblem: Neue Ziegel sind farblich selten deckungsgleich mit 40 oder 80 Jahre alten. Rote Tonziegel verblassen, dunkeln nach oder bekommen eine Moos-Patina. Frisch getauschte Ziegel bleiben deshalb oft jahrelang sichtbar. Abhilfe: Tauschziegel an weniger sichtbaren Stellen positionieren oder gleich mit gebrauchten, patinierten Ziegeln vom Abbruch arbeiten.
Indach-Systeme speziell für Ziegeldächer
Beim Aufdach-System liegen die Module auf Dachhaken über der Ziegeleindeckung. Beim Indach-System ersetzen die Module (oder spezielle Solarziegel) einen Teil der Eindeckung komplett und sind bündig mit der Ziegelfläche. Auf Ziegeldächern ist Indach besonders beliebt bei:
- denkmalgeschützten Gebäuden (siehe Denkmalschutz und Photovoltaik)
- hohem Anspruch an die Dachoptik – besonders bei Falzziegeln und Biberschwanz
- ohnehin anstehender Dachsanierung (Materialeinsparung)
Bekannte Anbieter für Ziegel-Ersatzmodule und Solarziegel sind z. B. SolarStone (Indach-Rahmensystem), Autarq (biberschwanzförmige Solarziegel), Meyer Burger Tile und Ennogie. Der Aufpreis gegenüber einer Aufdach-Anlage liegt bei 20 bis 40 % – für eine 10-kWp-Anlage also rund 15.000 bis 20.000 Euro netto statt 12.000 bis 16.000 Euro.
Ziegel in Berliner Altbauten: Baujahr entscheidet
- Gründerzeit (1871–1914): Berliner Mietshäuser, oft denkmalgeschützt. Typische Eindeckung: rote Hohlpfanne, Biberschwanz oder lokal Mönch/Nonne. Ziegel sind 100+ Jahre alt – hohe Bruchquote, häufig Indach-Pflicht durch Denkmalschutz.
- Zwischenkriegszeit und 50er/60er (1920–1970): Einsetzender Betondachstein, teils noch Tonziegel. Weniger oft Denkmalschutz, Statik meist PV-tauglich. Standard-Montage möglich.
- 70er bis 90er: Fast ausschließlich Frankfurter Pfanne und Betondachsteine. Unproblematisch für alle gängigen Aufdach-Montagesysteme.
- Neubau ab 2000: Falzziegel, moderne Flachpfannen oder weiter Frankfurter Pfanne. Besonders Indach-freundlich.

Farbe der Ziegel und Modul-Optik
Die Farbe der Ziegel bestimmt mit, welche Module optisch funktionieren:
- Anthrazit- und schwarze Ziegel: Kombiniert mit Full-Black-Modulen ergibt das eine ruhige, einheitliche Dachfläche ohne sichtbaren Kontrast – ideal bei modernen Neubauten und häufig die einzige denkmalgenehmigte Variante.
- Rote und braune Ziegel: Schwarze Module setzen einen harten Kontrast, der vielen Hausbesitzern nicht gefällt. Hier lohnt Indach mit terrakottafarbenen oder ziegelroten Solarziegeln bzw. eine bewusste, kompakte Modulbelegung, die klare geometrische Flächen bildet.
- Gemischte oder patinierte Dächer: Full-Black-Module wirken hier meist zu „technisch“. Denkmalpflege akzeptiert solche Dächer oft nur mit farblich angepasster Indach-Lösung.
Nächste Schritte
Ob Ihr Dach Frankfurter Pfanne, Biberschwanz oder Mönch/Nonne trägt – vor der Planung entscheidet ein Ortstermin, ob Aufdach reicht oder Indach sinnvoll ist. Für die Wirtschaftlichkeits-Grundlagen (Neigung, Ost-West, Erträge) lesen Sie den Satteldach-Ratgeber und die Seite zur Ausrichtung und Neigung. Bei Teilverschattung durch Schornsteine oder Gauben helfen Leistungsoptimierer. Für die optische Gesamtwirkung lohnt ein Blick auf den Ratgeber zu Full-Black-Modulen. Eine erste Einschätzung Ihrer Ziegeldach-Situation erhalten Sie über unseren Konfigurator oder direkt per Kontaktformular.
Häufige Fragen zum Ziegeldach mit Photovoltaik
Welcher Dachhaken für meine Frankfurter Pfanne?
Für die Frankfurter Pfanne – den meistverbauten Dachziegel Deutschlands – eignet sich der klassische 2- oder 3-lagig verstellbare Standard-Dachhaken aus Edelstahl (z. B. K2 SingleHook 2.0, Schletter Rapid2+ oder SL Rack Uni). Der Haken wird unter den oberen Ziegel geschoben und am Sparren oder auf der Lattung verschraubt. Wichtig: Der Ziegel an der Auflagestelle muss an der Rückseite meist leicht angeschliffen werden, damit er ohne Spannung plan aufliegt.
Kann ich auf Biberschwanz-Ziegeln PV montieren?
Ja, aber nur mit speziellen Biberschwanz-Dachhaken (z. B. K2 BiberHook, Schletter BiberEco). Biberschwanz ist klein, flach und oft in Doppel- oder Kronendeckung verlegt, was die Montage aufwendiger macht. Da Biberschwanz-Dächer häufig denkmalgeschützt sind, lohnt sich in vielen Fällen eine Indach-Lösung mit biberschwanzförmigen Solarziegeln (z. B. Autarq, Meyer Burger Tile) – die optisch kaum von der Originaleindeckung zu unterscheiden ist.
Was kostet ein Indach-System auf Ziegeln?
Indach-Systeme auf Ziegeldächern kosten rund 20 bis 40 Prozent mehr als klassische Aufdach-Anlagen. Für eine 10-kWp-Anlage bedeutet das netto 15.000 bis 20.000 Euro statt 12.000 bis 16.000 Euro Aufdach. Der Aufpreis ergibt sich aus teureren Modulen bzw. Solarziegeln, höherem Montageaufwand und der notwendigen Unterkonstruktion inklusive Abdichtung. Im Gegenzug entfällt ein Teil der Ziegeleindeckung, was die Mehrkosten teilweise ausgleicht.
Wie erkenne ich brüchige Altziegel?
Brüchige Ziegel erkennt man an hellem, dumpfem Klang beim leichten Anklopfen (intakter Ziegel klingt hell und satt), an abplatzenden Glasurschichten, an Haarrissen rund um Nasen und Falze sowie an Moos- und Flechtenbefall, der sich tief ins Material gefressen hat. Bei Ziegeln über 40 Jahren – und erst recht bei Berliner Altbauten mit 80 bis 120 Jahre alten Tonziegeln – sollte vor der Montage eine komplette Sichtprüfung durch den Dachdecker erfolgen. Rechnen Sie mit 5 bis 15 Prozent Bruchquote beim Begehen und Dachhaken-Setzen.
Sind Betondachsteine genauso gut wie Tonziegel für PV?
Technisch ja, sogar eher besser: Betondachsteine sind maßhaltiger, bruchfester und günstiger im Ersatz als Tonziegel. Sie wiegen allerdings rund 10 bis 20 Prozent mehr (ca. 45 bis 55 kg/m² gegenüber 40 bis 45 kg/m² bei Ton), was bei älterer Dachstatik bedacht werden muss. Für Dachhaken gelten dieselben Standard-Haken wie für die Frankfurter Pfanne. Bei der Abdichtung kommt meist eine andere Dichtlippe zum Einsatz, weil Betondachsteine präzisere Kanten haben.
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