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Heizstab mit PV-Überschuss: Warmwasser gratis aus Solarstrom

Kevin Kohlmey

Kevin Kohlmey

Photovoltaik Fachmann · Mitgründer, GFK Solar · 14. April 2026

Jede Kilowattstunde Solarstrom, die ungenutzt ins Netz fließt, wird nur mit rund 7,86 Cent vergütet — während gleichzeitig Gas, Öl oder Strom für die Warmwasserbereitung eingekauft werden müssen. Ein Heizstab löst diesen Widerspruch: Er wandelt überschüssigen PV-Strom direkt in Wärme um und erwärmt damit das Brauchwasser im Speicher. Mit einem Wirkungsgrad von nahezu 100 % ist die Technik denkbar einfach, und die Investition rechnet sich oft schon nach 4 bis 8 Jahren. Wir zeigen, welche Systeme funktionieren, was sie kosten und wann ein Heizstab sinnvoller ist als ein zusätzlicher Batteriespeicher oder eine Warmwasser-Wärmepumpe.

Was ist ein Heizstab an der PV-Anlage?

Ein Heizstab — fachsprachlich auch elektrischer Zuheizer oder Einschraub-Heizkörper genannt — ist ein Bauteil, das in den Warmwasserspeicher eingeschraubt wird und elektrischen Strom in Wärme umwandelt. Technisch handelt es sich um einen Tauchsieder in Industrie-Ausführung: Ein Widerstandsdraht erhitzt das Speicherwasser direkt, ganz ohne Umweg über eine Heizungsanlage.

Im Zusammenspiel mit einer Photovoltaikanlage übernimmt der Heizstab eine klare Aufgabe: Er nutzt den Überschuss, der sonst ins Netz eingespeist würde, und wandelt ihn in Warmwasser um. Typische Leistungen reichen von 2 kW für kleine Speicher (150–200 Liter) über 3 kW als Standard für Einfamilienhäuser (200–400 Liter) bis zu 6 oder 9 kW für Großanlagen und Gewerbebetriebe.

Wie funktioniert die Ansteuerung?

Entscheidend ist nicht der Heizstab selbst, sondern die Regelung. Denn ein Heizstab soll ausschließlich dann laufen, wenn tatsächlich Überschuss vorhanden ist — niemals mit teurem Netzstrom. Das Zusammenspiel läuft so ab:

  • Überschuss-Messung: Ein Smart Meter oder Energy Meter am Netzanschlusspunkt misst sekündlich, wie viel Strom ins Netz eingespeist oder bezogen wird.
  • Controller-Logik: Ein Heizstab-Controller (etwa my-PV AC ELWA-E oder Fronius Ohmpilot) liest diesen Wert und steuert den Heizstab entsprechend an.
  • Modulierender Betrieb: Moderne Regler modulieren die Leistung stufenlos zwischen 0 und 3 bzw. 9 kW. Steht nur 500 Watt Überschuss zur Verfügung, heizt der Stab mit exakt 500 Watt — ohne Netzbezug.
  • Temperatur-Zielwert: Eine Grenztemperatur (meist 60 °C für den Legionellenschutz) stoppt den Heizstab, sobald das Wasser warm genug ist.

Einfache Schalt-Lösungen (an/aus über Relais am Sunny Home Manager oder Kostal SEM) sind günstiger, verschenken aber oft Überschuss, weil sie nur komplette Stufen zulassen. Modulierende Systeme wie my-PV oder Ohmpilot nutzen jede Watt Überschuss und sind daher für ernsthafte Überschussnutzung die erste Wahl.

Die bekanntesten Heizstab-Systeme

  • my-PV AC ELWA und AC ELWA-E: Der österreichische Hersteller ist Marktführer. Die AC ELWA-E hat Regelung, Smart-Meter- Anbindung und 3-kW-Heizstab in einem Gerät — Plug-and-Play, nur Wasser- und Stromanschluss.
  • my-PV AC·THOR und AC·THOR 9s: Externe Controller für beliebige Heizstäbe bis 3 bzw. 9 kW. Ideal, wenn bereits ein Heizstab im Speicher vorhanden ist oder ein 9-kW-System gewünscht wird.
  • Fronius Ohmpilot: Der Klassiker für Fronius- PV-Anlagen. Moduliert bis 9 kW, bindet sich nahtlos in Fronius Solar.web ein und ist in der DACH-Region sehr verbreitet.
  • Askoma Heiz-Einschrauber: Schweizer Qualität mit Überschussregelung. Bewährt in vielen Projekten, auch in Kombination mit fremden PV-Wechselrichtern.
  • Kostal SEM und SMA Home Manager 2.0: Beide Wechselrichter-Hersteller bieten eine gesteuerte Relais-Ausgabe an, mit der ein einfacher Heizstab geschaltet werden kann — günstig, aber nicht modulierend.

Dimensionierung: Welche Leistung brauche ich?

Die Leistung des Heizstabs sollte zur Speichergröße und zur PV-Anlage passen. Ein überdimensionierter Heizstab erreicht selten seine Nennleistung, ein unterdimensionierter verschenkt Überschuss. Als Orientierung:

  • 1–2 Personen: 200-Liter-Speicher, 2–3 kW Heizstab — passend zu 5–7 kWp PV-Anlage.
  • 3–4 Personen: 300-Liter-Speicher, 3 kW Heizstab — passend zu 8–10 kWp PV-Anlage.
  • 5+ Personen: 400–500-Liter-Speicher, 6 kW Heizstab — passend zu 10–15 kWp PV-Anlage.
  • Gewerbe / Mehrfamilienhaus: 800–1.000-Liter-Puffer, 9 kW Heizstab oder mehrere parallel — passend zu 20+ kWp.

Grundsätzlich gilt: Lieber einen größeren Speicher wählen, denn der Heizstab kann mehr Überschuss speichern und überbrückt so bewölkte Stunden. Die Mindestanforderung ist ein Speicher mit Muffe (Einbauöffnung) für den Heizstab — die meisten modernen Warmwasserspeicher bringen das werkseitig mit.

Wirtschaftlichkeit: Was bringt ein Heizstab?

Ein Rechenbeispiel für einen typischen Haushalt in Berlin oder Brandenburg: Eine 10-kWp-PV-Anlage erzeugt rund 9.500 kWh pro Jahr. Ohne Heizstab und ohne Batterie liegt der Eigenverbrauch bei etwa 30 %, 6.650 kWh werden ins Netz eingespeist. Davon lassen sich mit einem 3-kW-Heizstab realistisch 1.000 bis 1.500 kWh pro Jahr für Warmwasser nutzen — hauptsächlich in den Monaten April bis Oktober.

Bei einem Gas-Wärmepreis von rund 9 Ct/kWh entspricht das einer Ersparnis von 90 bis 135 € pro Jahr. Wird Warmwasser elektrisch bereitet (Durchlauferhitzer oder Strom-Boiler), steigt die Ersparnis schnell auf 300 bis 450 €, weil der Strompreis bei 30 bis 35 Ct/kWh liegt. Bei einer Investition von rund 1.200 € für ein modulierendes System wie my-PV AC ELWA-E liegt die Amortisation zwischen 4 und 10 Jahren — je nach bisheriger Warmwasser-Heizart.

Heizstab-Rechner: Warmwasser aus PV-Überschuss

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20%60%
Warmwasserbedarf
Heizstab-System
Womit heizen Sie aktuell Warmwasser?

Tipp: Bei elektrischer Warmwasserbereitung (Durchlauferhitzer, Warmwasserspeicher) lohnt sich ein Heizstab deutlich schneller als bei Gas oder Pellets.

Zusätzlicher Eigenverbrauch
+11%
Energie-Ersparnis / Jahr
350 €
vs. 35 Ct/kWh Strom
Amortisation
3,4 Jahre
Gewinn über 15 Jahre
4.050 €

Heizstab vs. Batteriespeicher — was ist besser?

Sowohl Batteriespeicher als auch Heizstab nutzen PV-Überschuss — aber mit unterschiedlichen Zielen. Ein Batteriespeicher ist universell: Er puffert Solarstrom für alle Haushaltsanwendungen, auch abends für Licht, TV oder Kühlschrank. Ein Heizstab wandelt Überschuss in Wärme um, diese ist nur für Warmwasser (und begrenzt für Heizungsunterstützung) nutzbar.

  • Kosten pro kWh gespeicherte Energie: Batteriespeicher 500–800 €/kWh Kapazität, Heizstab ca. 200 €/kWh Speichervolumen — Warmwasserspeicher sind deutlich günstiger als Lithium-Akkus.
  • Flexibilität: Batteriespeicher deckt jeden Bedarf, Heizstab nur Wärme.
  • Wirkungsgrad: Batterie 90–95 % (AC-AC), Heizstab 100 % Strom-zu-Wärme, aber Wärme ist ein weniger wertvolles Endprodukt.
  • Ideale Kombination: Erst Direkteigenverbrauch, dann Batteriespeicher füllen, dann Heizstab warmwasserseitig arbeiten lassen, nur der Rest geht ins Netz. Eine gängige Priorität der Energiemanagement-Systeme.

Wer wenig Budget hat und bereits einen Warmwasserspeicher besitzt, fährt mit einem Heizstab oft besser als mit einem (weiteren) Batteriespeicher. Wer Unabhängigkeit vom Netz will, braucht die Batterie.

Heizstab vs. Wärmepumpe für Warmwasser

Die dritte Option zur PV-gestützten Warmwasserbereitung ist die Brauchwasser-Wärmepumpe. Sie arbeitet mit einem COP von 3 bis 4 — aus 1 kWh Strom werden 3 bis 4 kWh Wärme. Der Heizstab hingegen macht aus 1 kWh Strom genau 1 kWh Wärme. Effizienztechnisch ist die Wärmepumpe klar überlegen.

Die Rechnung kippt aber bei den Investitionskosten: Eine Warmwasser-Wärmepumpe kostet 3.000 bis 5.000 €, ein Heizstab mit Regelung rund 1.200 €. Bei einem Jahresbedarf von 2.500 kWh Warmwasser spart die Wärmepumpe ca. 1.875 kWh Strom gegenüber dem Heizstab — bei 30 Ct/kWh sind das 560 €/Jahr Vorteil, aber nur wenn der Strom eingekauft würde. Wird ohnehin PV-Überschuss verwendet (Vergütung 7,86 Ct/kWh), beträgt der reale Vorteil nur etwa 150 €/Jahr — die Mehrinvestition amortisiert sich dann langsam.

Kurz: Heizstab lohnt sich bei geringem bis mittlerem Warmwasserbedarf und viel PV-Überschuss. Wärmepumpe lohnt sich bei hohem Warmwasserbedarf (große Familie, ganzjährig) oder wenn auch außerhalb der PV-Saison viel elektrisch geheizt werden muss.

Installation und Voraussetzungen

Für die Nachrüstung eines Heizstabs sind drei Dinge nötig: ein passender Warmwasserspeicher mit Einbaumuffe (meist 1½ Zoll), ein Smart Meter oder kompatibles Energy Meter am Zählerschrank sowie ein Elektroanschluss in der Nähe des Speichers (typisch 3× 16 A für 3-kW-Heizstäbe). Die Installation übernimmt ein Elektriker; wenn Wasserarbeiten nötig werden, zusätzlich ein Heizungsbauer oder SHK-Fachbetrieb.

Bei bestehenden Solaranlagen ist die Nachrüstung problemlos möglich. Die meisten modernen Wechselrichter (Fronius, Kostal, SMA, GoodWe) kommunizieren ab Werk mit Heizstab-Controllern per Modbus-TCP. In Altanlagen reicht meist ein zusätzlicher Energy Meter, der parallel am Zähler installiert wird. Die komplette Installation dauert üblicherweise einen halben Tag.

Saisonale Einordnung und Winter

Der Heizstab ist ein Sommer-Instrument. Von April bis September liefert die PV-Anlage an den meisten Tagen mehr Strom, als der Haushalt direkt verbrauchen kann — dann arbeitet der Heizstab nahezu täglich. Im Winter hingegen ist der Ertrag gering, und der wenige Strom wird lieber für Beleuchtung und Haushaltsgeräte genutzt. Mehr dazu, wie sich PV-Anlagen im Winter verhalten, haben wir im Ratgeber Solaranlage im Winter erklärt.

Konkret bedeutet das: Ein Heizstab deckt etwa 60 bis 80 % des Jahres-Warmwasserbedarfs ab, im Winter springt weiter die Gas-, Öl- oder Wärmepumpen-Heizung ein. Wer den Heizungskessel entlasten und Erdgas oder Heizöl sparen möchte, bekommt mit einem Heizstab eine günstige und wartungsarme Zusatzlösung.

Förderung

Ein spezifisches Förderprogramm für Heizstäbe existiert in Deutschland nicht. Die Anschaffung ist aber indirekt über den Mehrwertsteuer-Nullsatz für PV-Anlagen begünstigt, sofern der Heizstab zusammen mit der PV-Anlage oder einer Erweiterung als „wesentlicher Bestandteil“ gekauft und installiert wird. In Berlin kann bei Neuanlagen zudem die SolarPLUS-Förderung indirekt helfen, weil sie Speicher fördert — ein Warmwasserspeicher gilt zwar nicht als elektrischer Speicher, verbessert aber die Gesamtbilanz. Eine Einzelfall-Beratung lohnt sich, denn Kommunen und Landkreise schreiben gelegentlich „Sektorkopplungs“-Förderungen aus, bei denen Heizstäbe förderfähig sind.

Fazit

Der Heizstab ist die einfachste und günstigste Methode, mehr aus der eigenen PV-Anlage herauszuholen. Er kostet einen Bruchteil eines Batteriespeichers, rechnet sich in 4 bis 10 Jahren und entwertet ungenutzten Solarstrom zu kostenlosem Warmwasser. Besonders sinnvoll ist die Nachrüstung, wenn kein oder nur ein kleiner Batteriespeicher vorhanden ist, wenn Warmwasser bisher elektrisch oder per Gas/Öl erzeugt wird und wenn die PV-Anlage mindestens 6 kWp hat. Ob my-PV AC ELWA-E, Fronius Ohmpilot oder eine Askoma-Lösung die richtige Wahl ist, hängt vom Wechselrichter, Speicher und Budget ab — wir beraten Sie gerne persönlich. Starten Sie dafür unseren Konfigurator oder nehmen Sie Kontakt auf.

Hat dieses Thema Ihr Interesse geweckt? Wir beraten Sie gerne persönlich und unverbindlich zu Ihrem Solarprojekt in Berlin und Brandenburg.

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