Seit Jahren kennen Hausbesitzer in Deutschland nur eine Richtung bei Solarmodulpreisen: nach unten. Was 2018 noch 800 Euro pro kWp Modul-Material kostete, ist 2025 auf rund 150 Euro pro kWp gefallen — eine Halbierung alle zwei Jahre. Diese Ära endet zum 1. April 2026. An diesem Tag schafft die chinesische Regierung die 9-Prozent-Mehrwertsteuer-Rückerstattung für Solarmodul-Exporte vollständig ab — die letzte verbliebene staatliche Stütze, die chinesische Hersteller seit Jahren in die globalen Märkte gedrückt hat.
Die Branche rechnet mit Preisanstiegen von 10 bis 20 Prozent für komplette Photovoltaik-Anlagen ab dem zweiten Quartal 2026. Damit ändert sich für Eigenheimbesitzer in Berlin und Brandenburg eine zentrale Rahmenbedingung: Wer 2026 oder 2027 ohnehin eine PV-Anlage geplant hatte, sollte den Kauf nicht verschieben. In diesem Beitrag analysieren wir, was am 1. April 2026 genau passiert, warum es uns in Deutschland trifft, welche konkreten Mehrkosten auf eine 10-kWp-Anlage zukommen und welche Schritte wir unseren Kunden im Liefergebiet Berlin und Brandenburg jetzt empfehlen.
Was am 1. April 2026 passiert
Am 9. Januar 2026 hat das chinesische Finanzministerium per Bekanntmachung den nächsten Schritt im schrittweisen Abbau der Photovoltaik-Exportförderung angekündigt. Bisher konnten chinesische Hersteller beim Export von Solarmodulen, Wafern und Solarzellen 9 Prozent der Umsatzsteuer als Rückerstattung beantragen — faktisch eine direkte Subvention auf jede ins Ausland verkaufte Modul-Charge. Ab dem 1. April 2026 entfällt diese Rückerstattung vollständig.
Es handelt sich um die zweite große Anpassung in kurzer Zeit. Bereits im Dezember 2024 hatte China die Exportförderung von 13 auf 9 Prozent reduziert. Damals war der Effekt am Markt überschaubar, weil chinesische Hersteller die Lücke durch interne Spar-Effekte und Größenvorteile teilweise auffangen konnten. Diesmal sind die Hersteller jedoch ausgereizt — die Margen vieler chinesischer Modul-Hersteller liegen seit Monaten im negativen Bereich, weil sie sich gegenseitig im Heimatmarkt unterbieten. Die fehlenden 9 Prozent werden deshalb fast komplett auf die Exportpreise durchschlagen.
Betroffen sind monokristalline Silizium-Wafer, Solarzellen, fertige Solarmodule sowie Lithium-Ionen-Batteriezellen und Heimspeicher. Bei den Batterien läuft die Streichung zweistufig: Ab 1. April 2026 reduziert sich der Rabatt von 9 auf 6 Prozent, am 1. Januar 2027 fällt er auf 0 Prozent. Wer also 2026 noch eine Anlage mit Speicher kauft, holt sich den Speicher zum letzten begünstigten Preis.
Warum es Deutschland besonders trifft

Der deutsche Markt ist gegenüber chinesischen Preisen besonders sensibel. Rund 88 Prozent aller in Deutschland importierten Solarmodule kommen aus China — entweder direkt oder über Drittländer mit chinesischer Produktion. Europäische Hersteller wie Meyer Burger im sachsen-anhaltischen Bitterfeld oder Solarwatt in Dresden bedienen aktuell nur einen einstelligen Prozentanteil des deutschen Marktes. Die Dominanz chinesischer Produktion gilt sogar dann, wenn deutsche Großhändler europäische Marken-Labels führen — die eigentlichen Zellen werden in vielen Fällen weiterhin in China gefertigt.
Diese Abhängigkeit hat den deutschen Solar-Boom der letzten Jahre überhaupt erst möglich gemacht: Die niedrigen Modulpreise haben Photovoltaik in eine Massenanwendung gehoben. Aus dem Marktstammdatenregister wissen wir, dass allein 2024 deutschlandweit über 1,08 Millionen neue PV-Anlagen mit mehr als 30 kWp in Betrieb gegangen sind — Module für rund 17,5 Gigawatt installierte Leistung, der Großteil davon aus chinesischer Fertigung.
Mit der Streichung des Exportrabatts verschwindet der zentrale Preistreiber dieses Booms. Es ist nicht damit zu rechnen, dass europäische Hersteller die Lücke kurzfristig schließen — die Kapazitäten reichen einfach nicht. Mittelfristig rechnen Analysten zwar mit einer schrittweisen Stärkung der europäischen Produktion, aber das dauert Jahre. Für Hausbesitzer 2026 und 2027 heißt das: höhere Preise, kürzere Marge bei Verhandlungen, weniger Auswahl bei Sonderangeboten.
Was 10 bis 20 Prozent Aufschlag konkret bedeuten
Branchenexperten erwarten Preisanstiege im Bereich von 10 bis 20 Prozent für komplette PV-Anlagen — nicht nur die Module selbst. Der Grund: Auch Wechselrichter, Speicher-Komponenten und die Beistell-Technik (Kabel, Sicherungen, Anschlussboxen) hängen zumindest teilweise an chinesischen Produktionsketten. Übersetzt auf eine typische 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher in Berlin und Brandenburg ergibt sich folgende Spreizung:
- Markt-Mittel aktuell: 18.000 bis 25.000 Euro brutto für 10 kWp PV mit 10 kWh Speicher und Installation
- GFK Solar aktuell: ab 15.500 Euro für dieselbe Konfiguration in Berlin und Brandenburg
- Erwartung Q3 2026 mit 15 % Aufschlag: Markt steigt auf 20.700 bis 28.750 Euro, GFK auf 17.825 Euro
- Worst-Case 20 % Aufschlag: Markt 21.600 bis 30.000 Euro, GFK 18.600 Euro
Konkret heißt das: Eine Anlage, die heute 15.500 Euro kostet, wird bei einem moderaten 15-Prozent-Aufschlag voraussichtlich 17.825 Euro kosten. Das sind 2.325 Euro Mehrkosten — Geld, das ein Hausbesitzer in den ersten Betriebsjahren der Anlage komplett zusätzlich erwirtschaften muss, bevor die Amortisation überhaupt einsetzt.
Auf die Amortisationszeit umgerechnet: Bei einem typischen Berliner Profil (38,5 ct/kWh Strompreis, 917 kWh/kWp DWD-Sonnenertrag, 70 Prozent Eigenverbrauch durch Speicher, 7,78 ct/kWh EEG-Einspeisung) amortisiert sich die aktuelle 15.500-Euro-Anlage in circa 5,8 Jahren. Steigt der Preis auf 17.825 Euro, verschiebt sich der Break-Even auf etwa 6,6 Jahre — das sind 9 zusätzliche Monate, in denen die Anlage netto noch nicht profitabel arbeitet. Bei 20 Prozent Aufschlag wären es rund 7 Jahre Amortisation — immer noch wirtschaftlich, aber spürbar schlechter als heute.
Speicher: Die zweite Stufe ab 2027
Während Module bereits ab April 2026 voll betroffen sind, läuft die Verteuerung bei Lithium-Ionen-Speichern in zwei Stufen: Zum 1. April 2026 sinkt der Exportrabatt von 9 auf 6 Prozent, ein Jahr später (1. Januar 2027) entfällt er komplett. Für Hausbesitzer eröffnet das ein klares Zeitfenster: Wer noch im laufenden Jahr 2026 eine Anlage mit Speicher beauftragt, fängt nur einen Teil des Effekts ab.
Heimspeicher liegen aktuell preislich bei rund 315 Euro pro installierter kWh-Kapazität — ein historischer Tiefstand. Für einen typischen 10-kWh-Heimspeicher sind das etwa 3.150 Euro Material, in Komplettpaketen oft schon enthalten. Ab 2027 dürften die Speicherpreise um zusätzliche 5 bis 10 Prozent zulegen, weil der vollständige Wegfall der 9-Prozent-Exportförderung greift. Konkret heißt das: Eine Anlage, die heute 15.500 Euro kostet, dürfte 2027 — selbst ohne weitere Modulpreis-Anstiege — allein durch den Speicher-Effekt nochmals um 200 bis 400 Euro teurer werden.
Kombiniert man beide Effekte (Module ab April 2026, Speicher voll ab Januar 2027), liegt der wahrscheinliche Mehrpreis für eine 2027-Anlage bei 17 bis 25 Prozent gegenüber dem heutigen Stand. Wer den Anlagenkauf von 2026 auf 2027 verschiebt, zahlt also nicht nur die Modulpreis-Wende doppelt, sondern auch noch den verzögerten Speicher-Effekt.
Andere Preistreiber: Polysilizium und Silber
Die Chinas-Entscheidung ist der größte Einzelfaktor, aber nicht der einzige. Im Hintergrund laufen zwei weitere Rohstoff-Trends, die unabhängig davon Druck auf die Modulpreise ausüben.
Polysilizium, der zentrale Rohstoff für Solarzellen, hat sich 2025 um rund 30 Prozent verteuert — von etwa 4 Euro pro Kilogramm auf 6,39 Euro pro Kilogramm. Der Grund liegt im Übergang der Branche von alten PERC-Zellen auf moderne TOPCon- und HJT-Technologie, die einen höheren Polysilizium-Bedarf pro produziertem kWp hat. Außerdem haben mehrere chinesische Polysilizium-Hersteller ihre Produktion gedrosselt, um die seit Jahren ruinösen Preise zu stabilisieren.
Silber ist 2025 sogar um über 130 Prozent teurer geworden. Für Solarzellen wird Silber als leitfähige Kontaktpaste auf die Zellrückseite gedruckt — typischerweise zwischen 8 und 12 Milligramm pro Wattpeak. Der Preisanstieg geht überwiegend auf Industrienachfrage und Inflations-Hedging der Finanzmärkte zurück. Pro 400-Watt-Modul fließen damit derzeit 1,80 bis 2,50 Euro Silber-Materialkosten — vor zwei Jahren waren es noch unter 1 Euro.
Beide Trends laufen unabhängig von der China-Entscheidung weiter und werden den preisstabilisierenden Effekt der bisherigen Rabatt-Streichungen noch verstärken. Selbst wenn die Branche es schaffen sollte, einen Teil der 9-Prozent-Lücke durch Effizienzgewinne zu kompensieren, bleiben die Rohstoff-Effekte als zusätzlicher Aufschlag bestehen.
Lohnt sich abwarten? Eine klare Antwort

Aus unserer Sicht als regionaler PV-Installateur in Berlin und Brandenburg ist die Antwort eindeutig: Wer ohnehin 2026 oder 2027 eine PV-Anlage geplant hatte, sollte den Kauf nach vorne ziehen. Es gibt drei rationale Gründe, die alle in dieselbe Richtung weisen.
Erstens — der Nullsteuersatz greift weiterhin. Seit dem 1. Januar 2023 gilt für Lieferung und Installation von Photovoltaik-Anlagen mit bis zu 30 kWp Leistung und den dazugehörigen Komponenten ein Mehrwertsteuersatz von 0 Prozent (§ 12 Abs. 3 UStG). Das ist eine harte Ersparnis von 19 Prozent gegenüber dem Regelsteuersatz. Bei einer 15.500-Euro-Anlage entspricht das einer ersparten Mehrwertsteuer von rund 2.475 Euro — die Sie als Endkunde nicht sehen, weil sie schon in der Brutto-Angebotspreis-Rechnung verschwunden ist. Diese Regelung ist gesetzlich unbefristet, von Anpassungs-Diskussionen hört man aktuell nichts.
Zweitens — die EEG-Vergütung sinkt halbjährlich. Seit Februar 2024 reduziert sich die Einspeisevergütung alle sechs Monate um 1 Prozent. Aktuell (Februar bis Juli 2026) liegt der Satz für die Teileinspeisung einer Anlage bis 10 kWp bei 7,78 ct/kWh. Ab August 2026 fällt er auf voraussichtlich 7,71 ct/kWh, im Februar 2027 dann auf 7,63 ct/kWh. Wer heute in Betrieb geht, sichert die aktuelle Vergütung für 20 Jahre. Wer 2027 in Betrieb geht, beginnt mit etwa 2 Prozent niedrigerer Einspeisevergütung — über 20 Jahre summiert sich das auf mehrere hundert Euro Mindereinnahmen.
Drittens — jeder Monat ohne Anlage ist verlorenes Geld. Eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher in Berlin produziert pro Jahr rund 9.170 kWh Strom. Davon werden bei 70 Prozent Eigenverbrauchsquote 6.420 kWh selbst genutzt, was bei 38,5 ct/kWh einer Ersparnis von rund 2.470 Euro pro Jahr entspricht. Dazu kommen weitere 215 Euro Einspeisevergütung. Macht circa 224 Euro Wertschöpfung pro Monat, die jeder Monat ohne Anlage komplett ungenutzt verstreichen lässt. Wer den Kauf um ein Jahr verschiebt, lässt also rund 2.690 Euro entgangenen Eigenstromertrag liegen — zusätzlich zu den voraussichtlichen Preisanstiegen.
Was wir konkret empfehlen
Für unsere Kunden in Berlin und Brandenburg leiten wir aus dieser Lage drei konkrete Empfehlungen ab. Erstens: Wer schon mit einer Anlagen-Planung beschäftigt ist, sollte sich Angebote noch im laufenden Quartal einholen und den Auftrag wenn möglich vor dem Sommer 2026 platzieren. Lieferzeiten für Module und Wechselrichter liegen aktuell bei 4 bis 8 Wochen, Installations-Termine in Berlin und Brandenburg buchen wir typischerweise 6 bis 10 Wochen voraus. Wer im Mai 2026 bestellt, ist im Sommer in Betrieb — vor dem voraussichtlichen Q3-Preisanstieg.
Zweitens: Berliner Hausbesitzer sollten SolarPLUS-Förderung beantragen. Das Förderprogramm der Senatsverwaltung Berlin wird über die IBB Business Team GmbH abgewickelt und bezuschusst PV-Anlagen mit Speicher mit bis zu 2.500 Euro für eine 10-kWp-Konfiguration. Die Mittel sind kontingentiert, das Antragsverfahren dauert 4 bis 6 Wochen — wer 2026 noch profitieren will, sollte sich beeilen. Brandenburger Hausbesitzer haben mit der KfW 270 einen attraktiven zinsgünstigen Kredit zur Verfügung, der nicht ausläuft.
Drittens: Wer schon eine ältere Anlage betreibt und über ein Repowering oder eine Erweiterung nachdenkt, sollte das ebenfalls nach vorne ziehen. Auch Module für Anlagen-Erweiterungen unterliegen dem Preisaufschlag. Wer ohnehin in den nächsten zwei Jahren erweitern wollte, spart durch die jetzt durchgeführte Erweiterung 1.500 bis 3.000 Euro im typischen Fall.
Für alle drei Szenarien gilt: Wir machen Festpreis-Angebote, die wir bis zur Installation halten — auch wenn unsere Einkaufspreise zwischenzeitlich steigen. Wer also im Juni 2026 einen Auftrag erteilt und im September installiert wird, zahlt den Juni-Preis. Das ist branchenweit nicht selbstverständlich, aber bei uns Standard.
Fazit
Die Solar-Welt sortiert sich 2026 neu. China gibt die Position als globaler Preis-Discounter auf, weil die Subventionen für Hersteller schlicht nicht mehr finanzierbar sind. Die Folge ist eine strukturelle Trendwende bei den Modulpreisen — die jahrelange Abwärtsbewegung kehrt sich um. Für Hauseigentümer in Berlin und Brandenburg, die ohnehin über eine PV-Anlage nachdachten, ist die strategische Konsequenz eindeutig: jetzt handeln, nicht warten.
Die Anlage, die heute 15.500 Euro kostet, wird in 12 bis 18 Monaten mit hoher Wahrscheinlichkeit zwischen 17.500 und 19.000 Euro kosten — bei gleichzeitig leicht gesunkener Einspeisevergütung und entgangenen Eigenstromerträgen für jeden Monat des Wartens. Diese Rechnung geht gegen das Aufschieben.
Wenn Sie konkrete Fragen zu Ihrer Situation haben oder ein Angebot wünschen: Wir kennen die Förderlandschaft in Berlin und Brandenburg im Detail, machen schnelle Vor-Ort-Termine und liefern in der Regel binnen 4 Wochen ein verbindliches Festpreis-Angebot.
