Von 165 auf 450 Watt: Was Ihr altes Dach mit heutigen Modulen leisten würde

Diagramm: Entwicklung der Modulleistung von 165 Wp (2004) auf 450 Wp (2026), ausgewertet aus 5,85 Millionen Solaranlagen
Kevin Kohlmey

Kevin Kohlmey

Photovoltaik Fachmann · Mitgründer, GFK Solar

Wer heute vor einer zehn Jahre alten Photovoltaik-Anlage steht, sieht auf den ersten Blick dasselbe wie damals: schwarze Rechtecke auf dem Dach, ungefähr 1,7 Quadratmeter groß. Was sich verändert hat, steckt im Inneren — und es ist erheblich. Wir haben den kompletten Datenbestand des Marktstammdatenregisters ausgewertet, um zu beziffern, wie viel genau.

Ergebnis aus 5,85 Millionen Solaranlagen: Ein typisches Modul lieferte 2004 rund 165 Watt peak. Heute sind es 450 Wp — bei praktisch unveränderter Fläche. Das ist fast das Dreifache auf demselben Stück Dach.

Liniendiagramm der Modulleistung nach Inbetriebnahmejahr: 165 Wp 2004, 240 Wp 2012, 310 Wp 2019, 450 Wp 2026
Median der Modulleistung je Inbetriebnahmejahr. Datengrundlage: alle in Betrieb gemeldeten Solaranlagen im Marktstammdatenregister mit Angabe von Leistung und Modulanzahl.

Wie wir gerechnet haben

Die Rechnung ist bewusst schlicht: Für jede Anlage teilen wir die gemeldete Bruttoleistung durch die gemeldete Modulanzahl. Das ergibt die Leistung je Modul. Anschließend bilden wir für jedes Inbetriebnahmejahr den Median — also den Wert, bei dem die eine Hälfte der Anlagen darüber und die andere darunter liegt. Der Median ist gegenüber Ausreißern robuster als ein Mittelwert.

Von den 6.097.874 Datensätzen im Export konnten wir 5.848.342 verwenden. Herausgefallen sind Anlagen ohne Modulangabe (68.421), Anlagen, die nicht als „in Betrieb" gemeldet sind (140.565), und offensichtliche Eingabefehler (38.402) — etwa Anlagen, deren rechnerische Modulleistung unter 40 oder über 800 Wp läge. Das sind zusammen 4,1 Prozent, die verbleibenden 95,9 Prozent bilden die Kurve.

Was technisch dahintersteckt

Der Sprung kommt nicht aus einer einzelnen Erfindung, sondern aus mehreren Entwicklungen, die sich überlagert haben:

  • Höhere Zellwirkungsgrade: Von den frühen Standardzellen über PERC bis zu heutigen TOPCon- und HJT-Zellen ist der Wirkungsgrad von rund 13 auf über 22 Prozent gestiegen.
  • Größere Zellformate: Die Wafer wuchsen von 156 mm Kantenlänge auf 182 und 210 mm. Größere Zellen bedeuten mehr Fläche pro Modul bei gleicher Zellenzahl.
  • Halbzellen-Technik: Geteilte Zellen reduzieren die elektrischen Verluste im Modul und bringen typischerweise 5 bis 10 Watt zusätzlich.
  • Weniger Verschattungsverluste: Moderne Zellverschaltung und bessere Bypass-Dioden holen mehr aus derselben Einstrahlung heraus.

Bemerkenswert ist die Gleichmäßigkeit: Über zwei Jahrzehnte hinweg wuchs die Modulleistung um durchschnittlich rund 13 Watt pro Jahr — ohne Sprünge, ohne Stillstand. Auch in den Jahren, in denen die Branche unter Preisdruck stand, ging die Entwicklung weiter.

Mehr Leistung heißt nicht automatisch mehr Wirkungsgrad

Ein verbreitetes Missverständnis lohnt die Klarstellung: Die Wattzahl auf dem Typenschild sagt für sich genommen wenig über die Qualität eines Moduls aus. Ein Teil des Zuwachses kommt schlicht daher, dass Module größer geworden sind. Ein typisches Modul von 2010 maß rund 1,64 Quadratmeter, heutige Standardmodule liegen bei 1,9 bis 2,1 Quadratmetern.

Aussagekräftiger ist die Leistung pro Quadratmeter. Und auch die ist deutlich gestiegen: von rund 130 Watt je Quadratmeter (2010) auf etwa 220 bis 230 Watt heute. Das ist der echte technische Fortschritt — er fällt mit gut 70 Prozent geringer aus als der Sprung bei der reinen Modulleistung, bleibt aber beachtlich. Für die Praxis auf dem Dach zählt am Ende beides: Größere Module bedeuten weniger Montagepunkte und weniger Verkabelung pro Kilowatt, was die Installation günstiger macht.

Wichtig ist der Unterschied vor allem bei begrenzten Dachflächen. Wer nur 25 Quadratmeter nutzbares Dach hat, profitiert von der höheren Flächenleistung — nicht davon, dass ein einzelnes Modul mehr Watt hat. Wer dagegen viel Fläche und eine begrenzte Modulzahl im Sinn hat, profitiert von beidem.

Was das für Ihr Dach bedeutet

Für Besitzer älterer Anlagen ist die interessantere Frage nicht, wie stark ein einzelnes Modul geworden ist — sondern was die vorhandene Dachfläche heute hergäbe. Nehmen wir eine typische Anlage aus dem Jahr 2012 mit 24 Modulen:

Balkenvergleich: 24 Module von 2012 ergeben 5,8 kWp, dieselben 24 Modulplätze mit heutigen Modulen 10,8 kWp
Dieselbe Dachfläche, derselbe Platz für 24 Module — aber 88 Prozent mehr Leistung.

24 Module à 240 Wp ergaben 2012 eine Anlage mit 5,8 kWp. Dieselben 24 Modulplätze tragen heute Module à 450 Wp — das sind 10,8 kWp, ein Zuwachs von 88 Prozent, ohne einen Quadratmeter zusätzliche Dachfläche. Bei Anlagen aus den Jahren 2004 bis 2008 fällt der Faktor mit rund 2,5 sogar noch deutlicher aus.

Und jetzt die ehrliche Einordnung

An dieser Stelle würde ein Verkaufstext sagen: „Tauschen Sie Ihre alte Anlage aus." Das wäre in den meisten Fällen ein schlechter Rat — und zwar aus einem simplen Grund.

Alte Anlagen haben oft eine sehr hohe Einspeisevergütung. Wer 2005 gebaut hat, bekommt bis heute über 50 Cent pro Kilowattstunde. Anlagen von 2010 liegen noch bei rund 33 Cent, Anlagen von 2012 bei etwa 18 Cent. Zum Vergleich: Für eine Neuanlage gibt es aktuell 7,70 Cent. Wer die alten Module abbaut, verliert diese Vergütung für die betroffene Leistung — und das wiegt den Mehrertrag in aller Regel bei Weitem nicht auf.

Solange Ihre Anlage läuft und Förderung bezieht, lautet unsere Empfehlung deshalb schlicht: laufen lassen. Es gibt allerdings vier Situationen, in denen sich die Rechnung dreht:

  • Die Förderung läuft aus. Die EEG-Vergütung endet nach 20 Jahren plus Inbetriebnahmejahr. Anlagen von 2005 sind seit Ende 2025 ausgefördert, Anlagen von 2006 folgen Ende 2026. Ab dann bringt der eingespeiste Strom nur noch den Marktwert — und ein Neubau auf derselben Fläche wird auf einmal interessant.
  • Das Dach wird ohnehin saniert. Wenn die Module für eine Dachsanierung abgebaut werden müssen, entstehen die Montagekosten sowieso. Dann lohnt der Blick, ob sich der Wiederaufbau mit neuen Modulen rechnet.
  • Es gibt noch freie Dachfläche. Eine Erweiterung ist fast immer die bessere Idee als ein Austausch: Die alte Anlage behält ihre Vergütung, die neue kommt als eigene Anlage dazu. Technisch ist das sauber trennbar.
  • Die Anlage hat echte Defekte. Ausgefallene Module, defekte Wechselrichter oder sichtbare Degradation über das übliche Maß hinaus verschieben die Rechnung.

Der eigentlich spannende Fall: die Ausförderungs-Welle

Der Solar-Boom der Jahre 2009 bis 2012 war der größte, den Deutschland bis dahin gesehen hatte. Allein in unserer Auswertung entfallen auf diese vier Jahre über 830.000 Anlagen. Deren 20-jährige Förderung endet zwischen 2029 und 2032 — und dann steht eine sehr große Zahl von Hausbesitzern gleichzeitig vor derselben Entscheidung.

Für unser Liefergebiet haben wir das genauer aufgeschlüsselt. In Brandenburg stehen aus den Boomjahren 2009 bis 2012 heute noch 17.704 Anlagen in Betrieb, in Berlin sind es 2.832. Ihre Förderung endet gestaffelt:

  • Ende 2029: 3.351 Anlagen in Brandenburg, 553 in Berlin (Baujahr 2009)
  • Ende 2030: 4.566 in Brandenburg, 731 in Berlin (Baujahr 2010)
  • Ende 2031: 5.382 in Brandenburg, 868 in Berlin (Baujahr 2011)
  • Ende 2032: 4.405 in Brandenburg, 680 in Berlin (Baujahr 2012)

Deutlich früher dran sind die Pioniere: In Brandenburg laufen 2.243 Anlagen aus den Jahren 2000 bis 2006, in Berlin 670 — deren Förderung ist bereits ausgelaufen oder endet in den nächsten Monaten. Genau diese Betreiber stehen heute vor der Entscheidung, und für sie ist die Modulkurve keine Statistik, sondern eine sehr konkrete Rechnung: Ein Dach, das 2005 mit 170-Wp-Modulen belegt wurde, trägt auf derselben Fläche heute die zweieinhalbfache Leistung.

Wer heute eine Anlage aus dieser Zeit besitzt, hat also noch einige Jahre Zeit. Sinnvoll ist es trotzdem, den eigenen Ausförderungstermin zu kennen und die Dachfläche einmal neu bewerten zu lassen — insbesondere, wenn ohnehin über einen Stromspeicher, eine Wärmepumpe oder eine Wallbox nachgedacht wird. Denn diese drei verschieben die Wirtschaftlichkeit stärker als die Modulleistung — sie erhöhen den Eigenverbrauch, und der ist heute der eigentliche Werttreiber.

Was der Leistungssprung für die Wirtschaftlichkeit bedeutet

Interessanterweise ist die höhere Modulleistung nicht der Hauptgrund, warum sich Photovoltaik heute schneller rechnet als vor zehn Jahren. Der größere Hebel liegt woanders — bei den Kosten und beim Eigenverbrauch.

Zur Einordnung: 2012 kostete eine schlüsselfertige Anlage rund 1.800 Euro pro Kilowatt-Peak, heute liegt der Marktpreis eher bei 1.200 bis 1.500 Euro — trotz zwischenzeitlich gestiegener Modul- und Rohstoffpreise. Gleichzeitig hat sich die Logik der Wirtschaftlichkeit umgedreht: Vor zehn Jahren lebte eine Anlage von der Einspeisevergütung, heute vom vermiedenen Netzstrombezug. Bei 38 bis 40 Cent Haushaltsstrompreis und 7,70 Cent Einspeisevergütung ist eine selbst genutzte Kilowattstunde rund fünfmal so viel wert wie eine eingespeiste.

Für die Auslegung heißt das: Es geht längst nicht mehr darum, das Dach maximal vollzupacken, sondern darum, Erzeugung und Verbrauch zusammenzubringen. Genau deshalb sind Speicher, Wärmepumpe und Wallbox heute wichtiger für die Rendite als die Frage, ob ein Modul 420 oder 450 Watt hat. Wie sich das konkret auf die Amortisation auswirkt, haben wir in unserer Amortisations-Auswertung für alle 399 Landkreise durchgerechnet.

Was heute anders geplant wird

Die gestiegene Modulleistung verändert auch die Planung neuer Anlagen. Wo früher die Frage lautete „Passt genug Leistung aufs Dach?", lautet sie heute eher „Wie viel Dach brauche ich überhaupt?". Eine 10-kWp-Anlage benötigte 2012 rund 42 Module und etwa 68 Quadratmeter. Heute genügen 23 Module auf gut 40 Quadratmetern.

Das eröffnet Möglichkeiten, die es vorher nicht gab: Auch kleinere Dachflächen, Garagen, Nebengebäude oder verschattungsarme Teilflächen tragen inzwischen eine sinnvolle Anlage. Und wer ein großes Dach hat, kann dieselbe Zielleistung auf der besten Teilfläche unterbringen, statt schlecht ausgerichtete Bereiche mitzubelegen. Wie sich Ausrichtung und Neigung auswirken, haben wir im Ratgeber zur Ausrichtung der Solaranlage aufgeschrieben.

Häufige Fragen

Wie viel Watt hat ein Solarmodul heute?

Der Median liegt 2026 bei 450 Wp. 2004 waren es 165 Wp, 2012 rund 240 Wp, 2019 etwa 310 Wp. Die Modulfläche ist dabei mit 1,7 bis 2 Quadratmetern praktisch unverändert geblieben.

Lohnt sich der Austausch einer funktionierenden Anlage?

Meist nicht, solange sie EEG-Vergütung bezieht — die liegt bei Altanlagen oft bei einem Vielfachen der heutigen Sätze und entfällt beim Austausch. Sinnvoll wird Repowering vor allem nach Ende der Förderung, bei einer Dachsanierung oder bei technischen Defekten.

Was ist besser: Austausch oder Erweiterung?

Wenn noch Dachfläche frei ist, fast immer die Erweiterung. Die alte Anlage behält ihre Vergütung, die neue läuft als eigenständige Anlage. Ein Austausch kommt vor allem infrage, wenn die Fläche bereits voll belegt und die Förderung ausgelaufen ist.

Methodik und Datenquelle

Datengrundlage ist der vollständige Gesamtdatenexport des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur, Stand 8. Mai 2026. Ausgewertet wurden alle Solar-Einheiten mit dem Betriebsstatus „in Betrieb", für die sowohl Bruttoleistung als auch Modulanzahl gemeldet sind. Die Modulleistung ergibt sich als Bruttoleistung geteilt durch Modulanzahl; Werte unter 40 und über 800 Wp haben wir als Eingabefehler ausgeschlossen. Für jedes Inbetriebnahmejahr weisen wir den Median aus.

Die Rohdaten stehen unter der Datenlizenz Deutschland – Namensnennung 2.0 (Quelle: Bundesnetzagentur). Unsere Auswertung und die Grafiken stehen unter CC BY 4.0 — Sie dürfen sie gern weiterverwenden, unter Angabe der Quelle und mit Link auf diese Seite. Für Redaktionen stellen wir die Grafiken auch als SVG bereit; sprechen Sie uns einfach an.

Diese Analyse ergänzt unsere übrigen Auswertungen des Registers: die Solar-Karte Deutschland mit allen 5,96 Mio. Anlagen und die Balkonkraftwerk-Auswertung.

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