„Lohnt sich eine Solaranlage bei uns überhaupt?" ist die Frage, die wir in Beratungsgesprächen am häufigsten hören. Statt sie wie üblich pauschal zu beantworten, haben wir sie für jeden einzelnen Landkreis und jede Postleitzahl Deutschlands durchgerechnet — und das Ergebnis in eine interaktive Karte gegossen.
Dafür haben wir drei amtliche Datenquellen verschnitten: den DWD-Sonnenertrag pro Region, die BDEW-Strompreis-Analyse Q1 2026 und den Einfamilienhaus-Bestand aus dem Zensus 2022. Daraus ergibt sich für eine Referenz-Anlage (10 kWp Photovoltaik mit 10 kWh Speicher) eine konkrete Amortisationszeit für 399 Landkreise und 8.143 Postleitzahlen. Hier sind die sieben spannendsten Erkenntnisse — und was sie für Hausbesitzer in Berlin und Brandenburg bedeuten.
Interaktive Version
Ihre Region selbst nachschlagen
Klicken Sie sich durch alle Landkreise und Postleitzahlen — mit Amortisationszeit, Sonnenertrag, Strompreis und PV-Sättigung für Ihren Standort.
1. Die wichtigste Erkenntnis: Es gibt keinen schlechten Standort
Bevor wir über Gewinner und Verlierer reden, die für viele überraschende Hauptbotschaft der ganzen Karte: Die Spreizung zwischen der schnellsten und der langsamsten Region Deutschlands beträgt gerade einmal rund 1,4 Jahre. Der beste Landkreis amortisiert eine 10-kWp-Anlage mit Speicher in 4,93 Jahren, der bundesweite Median liegt bei 5,8 Jahren, das Schlusslicht bei 6,31 Jahren.
Bei einer Modul-Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren heißt das: Egal ob an der dänischen Grenze oder am Alpenrand — eine Photovoltaik-Anlage hat sich überall in Deutschland nach gut fünf bis sechs Jahren bezahlt und erwirtschaftet danach zwei Jahrzehnte lang Gewinn. Die Standort-Frage entscheidet also nicht ob, sondern nur wie schnell. Anders gesagt: Wer auf den „perfekten" Standort wartet, verschenkt nur Zeit, in der die Anlage längst Geld verdienen könnte. Mehr Hintergrund dazu, wie sich der Return on Invest zusammensetzt, finden Sie in unserem Ratgeber zur Amortisation und Rendite.
2. Bayern dominiert — unter 5 Jahren bis zum Break-Even
An der Spitze der schnellsten Amortisation steht Süddeutschland klar vorn. Die Top 10 bestehen fast vollständig aus bayerischen Landkreisen. Der Grund ist eine doppelte Begünstigung: An der Donau und im Allgäu produziert eine Anlage über 1.060 kWh pro installiertem kWp und Jahr — und gleichzeitig zahlen die Haushalte dort einige der höchsten Strompreise Deutschlands. Viel eigener Solarstrom, der teuren Netzstrom ersetzt: Diese Kombination drückt die Amortisation unter die Fünf-Jahres-Marke.
Bayern führt damit nicht nur bei einzelnen Spitzen-Landkreisen, sondern auch im Bundesland-Vergleich: Aggregiert man die Landkreis-Werte auf Landesebene, liegen Bayern und Baden-Württemberg bei der Median-Amortisation vorn, während Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern das Schlusslicht bilden. Der Abstand bleibt aber überschaubar — und genau das ist die eigentliche Pointe, zu der wir gleich kommen.
3. Der Strompreis ist der größere Hebel als die Sonne
Das ist die kontraintuitivste Erkenntnis der Analyse. Man würde erwarten, dass der Sonnenertrag über die Wirtschaftlichkeit entscheidet — tatsächlich ist es oft der lokale Strompreis. Weil rund 70 Prozent des Solarstroms im Eigenverbrauch landen und dort jede Kilowattstunde teuren Netzbezug ersetzt, schlägt der Strompreis direkt auf den Jahresnutzen durch.

Unsere Sensitivitätsrechnung zeigt: Jede zusätzliche Cent Strompreis verkürzt die Amortisation um rund zwei Monate. Eine Region mit etwas weniger Sonne, aber hohem Strompreis kann eine sonnenreiche Region mit billigem Strom locker schlagen. Für Hausbesitzer heißt das ganz praktisch: Wer einen hohen Stromverbrauch hat und viel davon selbst abdeckt, holt die Anlage am schnellsten herein — unabhängig davon, ob das Dach in Bayern oder Brandenburg liegt. Wer wissen will, wie die andere Seite der Rechnung — die Einspeisevergütung — hineinspielt, findet die Details in unserem Ratgeber.
4. Das Süd-Nord-Sonnengefälle: 1.062 gegen 833 kWh/kWp
Trotzdem ist die Sonne natürlich nicht egal. Der Sonnenertrag schwankt regional um bis zu 27 Prozent: An den sonnenreichsten Standorten im Süden erzeugt eine 1-kWp-Anlage gut 1.062 kWh im Jahr, an der Nordsee-Küste nur etwa 833 kWh. Das ist ein realer Unterschied — er wird in der Amortisationsrechnung aber teilweise dadurch ausgeglichen, dass im Norden oft andere Strompreise gelten. Genau dieses Wechselspiel macht die Karte sichtbar: Sonne und Strompreis als Layer übereinandergelegt, für jede PLZ einzeln.
Wichtig zu verstehen: Die DWD-Werte beziehen sich auf die Globalstrahlung — die Energie, die pro Quadratmeter ankommt. Wie viel davon am Ende als nutzbarer Strom im Haus landet, hängt zusätzlich von der Ausrichtung und Neigung des Dachs, von Verschattung und von der Anlagenqualität ab. Eine optimal nach Süden ausgerichtete Anlage in Brandenburg kann eine schlecht verschattete Anlage in Bayern problemlos überholen. Die Karte rechnet mit einem realistischen Mittelwert — Ihr konkretes Dach kann also auch besser abschneiden.
5. Berlin & Brandenburg: solide 5,8 Jahre — und ein riesiges Potenzial
Für unser Liefergebiet ist die Lage erfreulich eindeutig. Berlin und Brandenburg liegen mit rund 5,8 Jahren Amortisation im bundesweiten Mittelfeld: ein solider Sonnenertrag von etwa 917 kWh/kWp trifft auf moderate Strompreise. Damit rechnet sich eine Anlage hier praktisch genauso schnell wie im viel besungenen Süden — der Abstand zu Bayern beträgt nur knapp ein Jahr.

Das eigentlich Spannende liegt aber im Marktpotenzial: Brandenburg hat einen großen Einfamilienhaus-Bestand bei gleichzeitig niedriger PV-Sättigung — eines der größten noch unerschlossenen Solar-Potenziale Deutschlands liegt also direkt vor unserer Haustür. Die Detail-Auswertungen für beide Regionen haben wir auf eigene Unterseiten gelegt:
- Amortisation in Berlin im Detail — Bezirke, Sonnenertrag, Strompreis und Sättigung
- Amortisation in Brandenburg im Detail — alle 18 Landkreise, schnellster bis langsamster
6. Wo schlummern die meisten Dächer ohne Solar?
Amortisation ist nur die halbe Geschichte. Genauso interessant ist die Frage, wo es überhaupt noch Dächer ohne Photovoltaik gibt. Wir haben dafür das Marktpotenzial berechnet — den Einfamilienhaus-Bestand multipliziert mit der noch freien, also nicht von PV gesättigten Quote. Bundesweit summiert sich der Einfamilienhaus-Bestand in unserer Auswertung auf 13,47 Millionen Gebäude. In den potenzialstärksten Landkreisen warten jeweils Zehntausende Dächer noch auf ihre erste Anlage. Die Karte zeigt diese „Sweet Spots" — hohe Wirtschaftlichkeit bei gleichzeitig niedriger Sättigung — auf einen Blick.
Für die Energiewende ist das die eigentlich relevante Zahl: Nicht der Süden, der ohnehin schon dicht mit Solar belegt ist, sondern die Regionen mit vielen freien Dächern entscheiden über den weiteren Ausbau. Und davon hat gerade der Osten Deutschlands reichlich.
7. Transparent gerechnet: So entstehen aus drei Datenquellen 5,8 Jahre
Damit nachvollziehbar bleibt, wie die Karte rechnet, hier die Beispielrechnung für eine durchschnittliche Berliner Postleitzahl. Eingangsgrößen: 917 kWh/kWp DWD-Sonnenertrag, 38,5 ct/kWh BDEW-Strompreis Berlin Q1 2026, Referenz-Anlage 10 kWp mit 10 kWh Speicher zu 15.500 Euro.
- Jahresertrag: 917 kWh/kWp × 10 kWp = 9.170 kWh
- Eigenverbrauch-Ersparnis: 9.170 kWh × 70 % × 38,5 ct = 2.471 €
- Einspeise-Erlös: 9.170 kWh × 30 % × 7,78 ct = 214 €
- Jahresnutzen gesamt: rund 2.685 €
- Amortisation: 15.500 € ÷ 2.685 € = 5,77 Jahre
Diese Formel rechnet die Karte für jede der 8.143 deutschen Postleitzahlen einzeln durch — mit dem jeweils lokalen Sonnenertrag und Strompreis. Ein Stromspeicher spielt dabei eine Schlüsselrolle, weil er die Eigenverbrauchsquote — und damit den größten Hebel der Rechnung — überhaupt erst auf 70 Prozent hebt.
So verkürzen Sie Ihre Amortisation aktiv
Die Karte zeigt den Durchschnitt — Ihre persönliche Amortisation können Sie aber aktiv beeinflussen. Der mit Abstand größte Hebel ist die Eigenverbrauchsquote. Jede Kilowattstunde, die Sie selbst nutzen, ist im Schnitt rund fünfmal so viel wert wie eine eingespeiste. Drei Stellschrauben heben den Eigenverbrauch spürbar:
- Speicher richtig dimensionieren: Ein passend ausgelegter Batteriespeicher verschiebt den Mittagsüberschuss in die Abendstunden und hebt die Eigenverbrauchsquote von rund 30 auf 60 bis 70 Prozent.
- Wärmepumpe koppeln: Eine Wärmepumpe verwandelt überschüssigen Solarstrom in Heizwärme und ist der größte einzelne Eigenverbraucher im Haus.
- E-Auto tagsüber laden: Wer mit der eigenen Wallbox Sonnenstrom tankt, ersetzt teuren Netz- oder Ladesäulenstrom durch nahezu kostenlosen Eigenstrom.
Wer diese Hebel nutzt, kann die in der Karte gezeigten 5,8 Jahre für Berlin und Brandenburg in der Praxis deutlich unterbieten — gut geplante Anlagen mit hoher Eigenverbrauchsquote und Förderung landen real oft bei vier bis fünf Jahren.
Was die Karte bewusst nicht abbildet
Damit die Zahlen ehrlich bleiben, hier die Grenzen unseres Modells. Die Karte ist eine Brutto-Markt-Rechnung: Sie blendet Förderprogramme, Finanzierungskosten und Wartung aus und rechnet mit einem konstanten Strompreis. In der Realität spielen mehrere Faktoren zu Ihren Gunsten — und ein paar dagegen:
- Pro: Steigende Strompreise verkürzen die Amortisation über die Jahre zusätzlich, weil der eingesparte Netzstrom dann noch teurer ist.
- Pro: Förderungen wie SolarPLUS oder KfW 270 senken die Anfangsinvestition real um vier- bis fünfstellige Beträge.
- Contra: Die EEG-Einspeisevergütung sinkt schrittweise — und mit der geplanten EEG-Novelle 2027 könnte sie für neue Anlagen ganz wegfallen. Das verschiebt das Gewicht noch stärker in Richtung Eigenverbrauch — genau das, was unsere Rechnung ohnehin in den Mittelpunkt stellt.
Methodik & Datenquellen
Datengrundlage sind drei amtliche Quellen: die DWD-Globalstrahlung 1991–2020 (multipliziert mit einer Performance-Ratio von 0,85) für den Sonnenertrag, die BDEW-Strompreis-Analyse Q1 2026 für die regionalen Haushalts-Strompreise und der Zensus 2022 (Destatis) für den Einfamilienhaus-Bestand. Die PV-Sättigung leiten wir aus dem Marktstammdatenregister ab (Anlagen unter 30 kWp, weil diese typischerweise auf Einfamilienhäusern stehen).
Die Referenz-Anlage ist mit 10 kWp Photovoltaik plus 10 kWh Speicher, 15.500 € Investition, 70 Prozent Eigenverbrauch und 7,78 ct/kWh EEG-Teileinspeisung bewusst konservativ und marktnah gewählt. Es ist eine reine Brutto-Rechnung ohne Wartungs- oder Finanzierungskosten und ohne Förderung — die reale Amortisation fällt mit Förderung also eher kürzer aus.
Wie diese Karte (wo lohnt es sich) mit unserer zweiten großen Daten-Story zusammenspielt (wo wurde tatsächlich gebaut), lesen Sie in der Auswertung der Solar-Karte Deutschland, in der wir alle 5,96 Mio Anlagen aus dem Marktstammdatenregister analysiert haben. Und wer wissen will, wie der Steckersolar-Boom dieselben Daten von der anderen Seite zeigt, findet die Antworten in unserer Balkonkraftwerk-Auswertung.
Häufige Fragen zur Amortisation von Solaranlagen
Wo amortisiert sich eine Photovoltaik-Anlage 2026 am schnellsten?
Am schnellsten rechnet sich Photovoltaik in Süddeutschland: Der bundesweit beste Landkreis erreicht 4,93 Jahre für eine 10-kWp-Anlage mit 10-kWh-Speicher. Die Top 10 dominieren bayerische Landkreise, weil dort hoher Sonnenertrag (über 1.060 kWh/kWp) auf die höchsten Haushalts-Strompreise trifft. Der bundesweite Median liegt bei 5,8 Jahren, das Schlusslicht bei 6,31 Jahren.
Gibt es Regionen, in denen sich Solar nicht lohnt?
Nein. Die Spreizung zwischen schnellster und langsamster Region beträgt nur rund 1,4 Jahre. Bei einer Modul-Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren rechnet sich eine Anlage mit Speicher überall in Deutschland deutlich — die Frage ist nur, wie schnell.
Was ist wichtiger: viel Sonne oder ein hoher Strompreis?
Überraschenderweise der Strompreis. Weil rund 70 Prozent des Solarstroms im Eigenverbrauch landen und dort teuren Netzstrom ersetzen, verkürzt jede zusätzliche Cent Strompreis die Amortisation um etwa zwei Monate. Der Sonnenertrag schwankt zwar um bis zu 27 Prozent, der Strompreis-Hebel wiegt im Eigenverbrauchs-Modell aber oft schwerer.
Wie schnell amortisiert sich Solar in Berlin und Brandenburg?
Beide Regionen liegen mit rund 5,8 Jahren im bundesweiten Mittelfeld — für eine durchschnittliche Berliner Postleitzahl ergibt die Rechnung 5,77 Jahre. Mit Förderung und hohem Eigenverbrauch sind in der Praxis vier bis fünf Jahre erreichbar. Brandenburg bietet zusätzlich ein sehr großes, noch unerschlossenes Marktpotenzial.
Karte selbst erkunden
Alle hier gezeigten Berechnungen sind in einer interaktiven Karte mit Drilldown von Landkreis auf Postleitzahl verfügbar — inklusive Modus-Umschaltung zwischen Amortisation und PV-Sättigung sowie Layer-Toggles für Sonnenertrag und Strompreis.
→ Solar-Karte Amortisation 2026 öffnen
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